Aus dem Herzen malen
                   
                      

Malen ist für mich, durch Ziellosigkeit im Tun, Bilder, die im Herzen lebendig sind, zum Ausdruck zu bringen und sich selbst darüber näher zu kommen. Dabei wird das Leistungsdenken durchbrochen, das uns einengt, uns behindert, uns steif und fest macht.
In Bildern, die aus unserem tiefsten Inneren fließen, indem wir uns diesem Inneren hingeben, können wir die Schönheit und Harmonie erkennen, die in uns wohnt, die uns ausmacht, die fern jeglicher Prägung liegt.
Malen aus dem Herzen ist ein Weg, wieder an die ursprüngliche Quelle für Inspiration und Kreativität zu gelangen.
Oft erleben wir, dass das Massenbewusstsein, der Zeitgeschmack, also die Mode darüber entscheidet, was ein gutes und was ein schlechtes Bild ist und das man erst eine Kunstschule besucht haben und Maltechniken beherrschen muss, damit ein Bild gekonnt und harmonisch wirken kann.
So trauen viele Menschen sich kaum noch kreativen Tätigkeiten wie Malen, Musizieren, Dichten, Gestalten hinzugeben aus Angst, ausgelacht zu werden und den Anforderungen, die die Gesellschaft stellt, nicht gerecht zu werden.
Diese Muster lohnt es sich zu durchbrechen, denn jeder Mensch ist kreativ und hat Schöpferkraft aus sich selbst heraus. Er hat die Fähigkeit, Wundervolles aus sich selbst heraus entstehen zu lassen, was natürlich weit über irgendein Bild hinaus reicht.
Beim Malen können die verschiedensten Gefühle, die in uns sind, sich auf der Leinwand zeigen.
Es können angenehme und unangenehme Gefühle gleichermaßen sein, die beim Malen hochkommen wie Freude, Trauer, Wut, Gelassenheit, Minderwertigkeitsgefühle, Selbstbewusstsein, Harmonie und Disharmonie. All das darf sich auch zeigen und sich im Bild ausdrücken.
Unsere Aufmerksamkeit bleibt beim Malen im Herzen. So schwinden alle Disharmonien, die wir in uns wahrnehmen und die Harmonie wächst und gewinnt an Kraft.
Wir können uns durch disharmonische Schichten hindurch malen.
Es sind disharmonische Schichten, die aus unseren Gedanken über uns selbst und über andere stammen.
Auch Gedanken, dass wir nur ein schönes Bild malen können, wenn wir es gelernt haben, stammt nicht aus unserem eigenen tiefen Inneren, sondern ist Ausdruck der Prägung, die man uns erteilt hat.
Aus dem Herzen malen, bedeutet, sich davon zu lösen, Vorgaben gerecht zu werden.
Vielleicht wird mancher jetzt sagen, wie könnte ich ein schönes  und harmonisches Bild malen, wo ich doch malen nicht gelernt habe und es schon gar nicht studierte.
Ich spreche hier jedoch nicht von einem Handwerk, das man gelernt haben muss, um einen bestimmten Auftrag zu erfüllen.
Sei es nun ein Auftrag, den uns jemand gestellt hat oder den wir uns selbst gestellt haben. So ein Auftrag ist immer mit dem Denken verbunden und damit mit Wertung und Urteil behaftet, bevor überhaupt das Bild begonnen wurde, zu malen.
Das Denken will immer etwas konstruieren und planen und macht uns Stress. Es schafft ein Modell und will dieses Modell produzieren. Ein in Gedanken vorgefertigtes Bild soll dann geschaffen werden. Auch das ist sicher eine Vorgehensweise, die Freude bereiten kann.
Doch es ist eine Freude, die ohne Dauer und Bestand ist. Sie verfliegt genauso schnell wie unsere Gedanken. Freude und Frieden kann aber auch ein Dauerzustand sein. Das passiert, wenn wir Dinge tun, die aus unserer bewusst wahrgenommenen Verbindung mit unserem Herzen geschehen, fließen. Damit treten wir gleichzeitig in einen Heil- und Transformationsprozess von Geist und Seele, was sich in unserem Wohlbefinden widerspiegeln wird.
Wir beginnen uns selbst neu wahrzunehmen und damit auch unsere Mitmenschen und unsere Umwelt.
Wir beginnen, zu fühlen, wie Lebensenergie in uns aktiviert wird und wir Freude empfinden, unabhängig davon, wie andere unser geschaffenes Werk beurteilen.
Es hat keine Bedeutung mehr, weil auch alle Abhängikeiten in diesem Zustand aufgelöst sind.
Wir fühlen uns verstanden und geliebt und von einer Kraft beseelt, die fern alles Greifbaren liegt.
Vielleicht hat jemand auch überhaupt keine Lust zu malen und denkt, wenn ich doch nur musizieren oder töpfern könnte ohne es gelernt zu haben.
Dann tun sie es! Beginnen Sie damit!
Malen und schreiben sind das, worin sich meine Seele immer wieder gerne mit Freude ausdrückt. Doch es kann vieles andere sein.
Alles Krankmachende verschwindet Stück für Stück im Prozess des kreativen Schaffens, der ohne Druck und Leistungsstreben erfolgt.
Kreativität ist bewusstes Tun aus dem jetzigen Moment heraus, der ohne Vergangenheit ist und keine Zukunft kennt.
Es ist ein Akt der Schöpfung, in dem sich der Schöpfer in uns offenbart, der uns das Staunen lehrt.

Kinder wagens sich noch, was die meisten Erwachsenen sich nicht mehr wagen und es gar nicht mehr können, so sehr leben sie aus der Gefangenschaft ihrer Gedanken. Doch wir können alle wieder an unsere Quelle gelangen  und Freude am Geschehen lassen finden.

Meine Tochter schickte mir Fotos von Ihrer Tochter beim Malen. Ich dachte, wie wunderbar, dass sie so erwartungsfrei sich dem Spiel mit dem Farben hingeben kann und darf, dank Ihrer Eltern, die ihr den "Garten" dafür bereiten.

 

 

Ihre Ute Malina Rößner

 

 

 

 

 

Zitate von Osho über Kreativität
aus "Kreativität"
Die Befreiung der inneren Kraft

Heyne-Verlag 2001

 

"Kreativität bedeutet einfach, total entspannt zu sein.
Es bedeutet nicht Untätigkeit, es bedeutet Entspannung – denn aus Entspannung entsteht viel Tun, aber du machst es nicht. Du bist nur ein Werkzeug. Ein Lied fängt an, durch dich hindurchzufließen, aber du bist nicht sein Schöpfer,
es kommt vom Jenseits." (S.49)

"Wenn der Dichter verschwindet, geschieht Kreativität. Dann ist er besessen – ja das ist das Wort: „besessen“. Von Gott besessen zu sein, das ist Kreativität." (S. 50)

"Das Wesen von Weisheit ist, im Einklang mit der Natur zu sein, mit dem natürlichen Rhythmus des  Universums. Und immer dann, wenn du im Einklang mit dem natürlichen Rhythmus des Universums bist, wirst du zum Dichter, zum Maler,  zum Musiker, zum Tänzer." (S.53)

"Um Kreativität zu lernen, braucht man keine Schule zu besuchen. Alles, was man braucht, ist, nach innen zu gehen und dem Ego zu helfen, dass es sich auflöst. … Und sobald das Ego nicht mehr da ist, ist alles wahr, ist alles schön.“ S.55

"Die Seele erscheint nur, wenn der Künstler in seiner Kunst aufgeht – er ist nicht mehr getrennt von ihr. Wenn der Maler mit solcher Selbstvergessenheit malt, dass er nicht mehr da ist, dass er sich sogar schuldig fühlt, wenn er das Bild signiert, weil er weiß, dass er es nicht gemacht hat. Eine unbekannte Macht hat es durch ihn geschaffen. Er weiß, dass er besessen war – diese Erfahrung haben alle wirklich großen Künstler zu allen Zeiten gemacht." S.94

"Das ist wirkliche Kunst, wenn der Künstler verschwindet – dann geht es nicht mehr um das Ego. Und dann wird Kunst zur Religiosität." S.95

"Je weniger der Künstler in seiner Arbeit enthalten ist, desto perfekter ist sie." S.95

"Der wahre Künstler denkt also nie an Perfektion. Er verschwendet keinen Gedanken an Perfektion, er erlaubt sich einfach loszulassen, sich hinzugeben – und was immer dann geschieht, geschieht." S.96


"Ein Mensch, der sich seiner eigenen Individualität bewusst ist, lebt seine eigene Liebe, macht seine eigene Arbeit und kümmert sich überhaupt nicht darum, was andere davon halten. Je höher der Wert deiner Arbeit, desto geringer ist die Chance, dafür Anerkennung zu erhalten. Und wenn du geniale Arbeit machst, wirst du zu deinen Lebzeiten nicht dafür geachtet werden. Man wird dich verurteilen, solange du lebst. Und dann, zwei oder drei Jahrhunderte später, wird man dir Denkmäler errichten und deine Bücher in Ehren halten – denn es dauert etwa zwei, drei Jahrhunderte,
bis die Menschheit zur gleichen Intelligenz gelangt,
die ein Genie heute besitzt." S.132

"Denke daran: Ein kreativer Mensch probiert andauernd falsche Wege aus. Wenn du immer alles richtig machen willst, wirst du nie kreativ sein, denn die „richtige Art und Weise“ ist der Weg, den andere schon entdeckt haben. Natürlich wirst du etwas zustande bringen, wenn du den richtigen Weg gehst, doch du wirst ein Produzent sein, ein Hersteller, ein Techniker – aber kein Schöpfer." S.136

"Zerbrich dir also nicht den Kopf darüber, was wahre Kunst ist. Wenn dir das Tun Freude macht, wenn du dich im Tun verlierst, wenn du dich im Tun von Freude und Frieden überwältigt fühlst-dann ist es wahre Kunst. Kümmere dich nicht, was Kritiker sagen.
Kritiker haben keine Ahnung von Kunst." S.207

"Wahre Kunst bedeutet, dass sie dir hilft, still zu werden, ruhig, voller Freude. Dass es in dir einen Jubel erzeugt und etwas in dir zum Tanzen bringt. Ob jemand anderer daran teilnimmt oder nicht, ist unwesentlich." S.207

"Das also ist mein Kriterium: Wenn es dich zu Gott hinführt, ist es wahre Kunst; dann ist es authentische Kunst."S.208