Stress (1. Brief an Marie) 

 

Liebe Marie,

Stress plagt Dich im Moment. Du fühlst Dich wie zerrupft und denkst dabei: „Bin ich denn eine Gans, dass jeder nach Belieben, mir die Federn rauszupfen kann und mir manchmal dabei noch an die Gurgel geht?“ Niemanden scheinst Du es im Moment recht machen zu können und dabei kommt es so geballt, dass Du richtig Wut bekommst, denn irgendwie war das doch schon immer so. Immer waren doch irgendwelche Leute da und tauchten aus heiterem Himmel auf, die Dir irgendwie signalisierten, dass Du nicht richtig bist oder was falsch gemacht hast und Du Dich möglichst ändern sollst. Ja, Du weißt natürlich auch, dass Du die anderen meist selbst so siehst und erlebst.  

Na und dann gibt es natürlich noch das alles, was es zu tun gibt, was einem so im Kopf ständig herumschwirrt, damit man Ruhe findet. Und das Geld ist sowieso nie genug und ausreichend. 

Ja, Stress ist schon ein großer Übeltäter und Dein Job scheint ja bei Dir die reinste Falle zu sein aus der kein Entkommen scheint, solange Du ihn behältst, zumal er Dir ja nicht mal wirklich Spaß macht und Du von ganz anderen Dingen träumst, die Du gerne tun würdest. Doch Du sagst: Das liebe Geld! Klar bringt das den Aufbau von jeder Menge Stress mit sich. Gerade, wenn man seine Zeit mit etwas verbringt oder wo verbringt, das man als unstimmig für sich empfindet, dann schwingt ja innerlich immer die Angst mit, dass man seine Lebenszeit vertut und das Leben verpasst. 

Gestern saß ich wartend, in Zeitschriften blätternd beim Friseur. Dabei fiel mir auch ein Artikel zu Stress in Verbindung mit Krankheiten ins Auge, den ich las.

Stress scheint sich wie eine Seuche durch Land und Menschen zu ziehen und das trotz der großen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts, wie vollautomatische Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspülmaschinen, fließend warmes Wasser aus der Wand, Kaffeeautomaten, Massagegeräte usw., die die häuslichen Aufgaben immens erleichtern und Komfort bieten. Dann sind da, die sich rasant weiterentwickelnden Computer, Internet, Telefon, Handy, was Kommunikation und Information im Höchstmaß vereinfacht.

Ruckzuck können wir von hier nach da reisen, durch Verkehrsmittel wie Regionalzüge, ICE, Flugzeuge und Schiffe. Kreuzfahrten und Fernreisen werden in Anspruch genommen, um sich zu erholen.

Fitnessstudios, Sportvereine, Schwimmhallen, Saunen bieten Entspannung.

Überall locken Reize, die uns helfen sollen, uns zu entspannen, Zeit zu gewinnen und sich zu erholen.

Nicht zu vergessen die bunten Schaufenster und die überfließenden Angebote, die einem auf dem Bildschirm des Handys entgegenblinken, sobald man es einschaltet.

Wir wollen uns alle entspannt, glücklich, sicher, existenziell abgesichert und wohl fühlen. Wir wollen frei von Zukunftsängsten, Belastungen, Stress und Unsicherheit sein.

Und wir wollen uns in Inneren gut und stimmig fühlen, von Frieden, Erfülltheit und Liebe durchdrungen.

Wie soll das gehen?

Jeder hat so seine Vorstellungen, wodurch er es erreichen könnte und die meisten denken, wenn sie viel Geld hätten und die anderen anders wären, wären die Probleme alle gelöst.

Geld ist notwendig, um Bedürfnisse, insbesondere die existenziellen erfüllen zu können und auch ein materiell menschenwürdiges Leben führen zu können. Das stimmt. Insofern ist Geld wunderbar, solange das Gewünschte auch da ist, was man mit Geld erwerben kann.

Doch warum sind dann auch so viele Wohlhabende, Besitzende, beruflich Erfolgreiche unglücklich und unter Stress leiden sie nicht weniger.

Vergleich ist erstmal ein sehr großer Stressauslöser. Man ist nicht bei sich, sondern schaut auf den anderen und schwirrt gedankenproduzierend in der Gegend herum und spürt sich dabei immer weniger. Es wird auf den äußeren Schein geschaut, weil man selbst nur im außen ist. Schon ist man in der Falle. Erst, wenn man in sich schauen kann, sich durchschaut hat, kann man den anderen wirklich erkennen und dann hört schon mal ein Stressfaktor auf zu wirken und das ist der Vergleich.

Im Grunde, liebe Marie, gibt nur zwei Formen zu leben. Die eine ist unter Stress, der bewusst wahrgenommen werden kann oder die zweiter, dass er unbewusst wirkt. Wird er bewusst wahrgenommen, ändert es sich sofort, denn dann ist man wach und von quälenden Gedanken befreit und sieht die Lösungen.

Im bewussten, erwachten Zustand hat man den stressfreien Zustand. 

In denke, jeder hat diese einem mystisch vorkommenden Momente schon erlebt, fühlte sich ergriffen von etwas, dass nicht fassbar ist und ohne Form und Gedanke. Doch leider war es nur ein flüchtiges Erleben und man fühlte sich viel zu schnell da herausgefallen und die Gedanken und damit der Stress waren wieder da. Der höhere Zustand konnte nicht gehalten werden.

Dauerhaft in diesem Zustand zu sein, bedeutet, man pendelt nicht mehr zwischen wach sein und schlafen, zwischen bewusst sein und unbewusst sein, zwischen Entspannung und krankmachendem Stress.

Wir sind dann transformiert in so hohe Bewusstseinsebenen, dass uns Gedankenformen und Gefühlsmuster nicht mehr ins Leid ziehen können und dort festhalten.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass äußere Lebensumstände gleich anders sind, doch einem neuen Bewusstsein folgt zwangsläufig eine andere Wahrnehmung, ein neues Erleben.

Unter belastendem Stress zu leben ist grausam, wenn es nicht einher geht mit Transformationsprozessen durch bewusstes Erleben und Wahrnehmen des Geschehens und deren Auflösung und damit Veränderung. So führt er zur Verhärtung aufgrund geistiger Enge und Nichtentwicklung zu einem höheren Bewusstsein. Der Panzer muss entweder dicker werden oder stressbedingte Krankheiten sind die Folge.

Unbewusstheit bedeutet Schlafen und Trennung, ob man nun physisch wach ist oder nicht. Es ist das Leben im Traumzustand. Man träumt nicht mal, sondern ist Traumgebilde, Traumfigur, mit der man identifiziert lebt. Man lebt mit einem Teil von sich identifiziert, der entstanden ist durch äußere Einflüsse. Das wahre Wesen ist praktisch verfärbt worden und Bilder sind in es gepflanzt, worüber das Wahre vergessen wurde. Das ist, als würde das Meer denken, es sei der kleine Fisch, der in ihm schwimmt, aber nicht dasjenige, dass den Fisch den Lebensraum gewährt. Dann fängt der kleine Fisch natürlich an, andere Fische zu bekämpfen und mit manchen verbündet er sich gegen andere, weil sie nicht wissen, dass das Meer bestimmt, wer in ihnen alles schwimmen darf und sie, wenn sie einander bekämpfen, statt Vertrauen ins Meer zu haben, sich eine unwirtliche Situation schaffen.

Deshalb ist es gut, wenn man stressige Bilder und Gedanken in sich aufkommen fühlt, sich sofort in die Position des Meeres zu begeben und die Ordnung wird sich dadurch wie von selbst wieder herstellen.

Doch in der Position, sich getrennt vom Ganzen zu fühlen, bedeutet ein Leben im Stress, der nicht zu enden scheint, außer, dass man versucht ist, durch Vergnügungen sich kleine Auszeiten davon zu verschaffen trachtet. Ablenkung heißt dann das große Motto.

Es ist ein Leben mit Zweifeln, Vergleichen, Hoffnungen, momentanen Glücksgefühlen, Anspruchsdenken, Besitzgier, Fehlern, Schuldgefühlen, Erwartungen,

Minderwertigkeitskomplexen, Größenwahn, Urteilen, Rechthaberei, Gehorsam und Kontrolle. Geschöpft wird immer aus der Vergangenheit. Mit all diesem Erleben, das wahrgenommen wird, wird sich identifiziert oder andere werden damit identifiziert und damit in Rollen und Schablonen gesteckt. Mit gegenseitigen Urteilen können wir uns gegenseitig regelrecht erschlagen. Die Höchstform davon finden wir in physische Gewalt, die in Kriegen ihren Ausdruck findet. Der innere Krieg wird nach außen projiziert, in der Hoffnung, Frieden zu finden. Welch ein Wahnsinn!

So ein Leben ist ein Leben ohne Wurzeln zu fühlen, die über das eigene Ich hinausreichen; Wurzeln, die einen nähren, Halt, Orientierung und Klarheit geben und das Gefühl von Sättigung verleihen, unabhängig von äußeren Umständen und Einflüssen.

Ein unbewusstes Leben ist von einer ständigen Angst, zu fallen, begleitet, selbst wenn man schon am Boden liegt. Es ist großen Schwankungen unterworfen, von denen man sich ständig in Mitleidenschaft gezogen fühlt. Es ist eintönig, ein Leben in einem Korsett, das keine Veränderungen zulassen möchte, um Orientierungsverlust und Kontrollverlust zu vermeiden. Nur das Korsett wird dabei immer enger, da die Veränderungen einfach da sind und je weniger man sie zulassen möchte, desto mehr Stress entsteht. Es ist ein Leben in ständigem Leiden. Die Weite und Vielfalt der Möglichkeiten des Lebens wird nicht zugelassen und kann dadurch nicht erlebt werden. Es zeigt sich als Druck, der dann wirkt.

Nur mit einem offenen Herzen, das heißt, einem Leben ohne Korsett, ist das Leben in seiner Vielfalt an Möglichkeiten erlebbar.

Durch das offen halten des Herzens kann wahrhaft Neues einfließen, was immer stärker zur Einheit mit sich und dem Ganzen führt. Das Neue ist immer einer Offenbarung gleich und entspringt Zuständen des Nichtdenkens, der Stille in der alles sein darf und nichts ausgegrenzt wird.

Der Inhalt des Meeres gewinnt so an Vielfalt und Harmonie, weil jedes Wesen darin, sich als Teil und Bewohner des Meeres begreift und respektiert und achtet den Lebensraum, den das Meer ihm geschenkt hat und schenkt gleichermaßen seinen Mitbewohnern, Respekt und Aufmerksamkeit.

Doch leider leben die Menschen größtenteils noch mit dem Gefühl einer immerwährend lauernden Bedrohung. Sie wittern Gefahr und daraus verhalten sie sich konkurrenzdenkend, gefährlich und berechnend. Sie wissen nichts über sich, über den Zusammenhang, dem sie angehören und das schafft große Unsicherheit. Dem Gefühl des Ausgeliefertseins versuchen sie zu begegnen mit strukturellen, modellierenden Gedanken. Sie versuchen sich eine Welt zu bauen auf Fundamenten, die nichts weiter sind als momentane Gedanken. Das ist zum Scheitern verurteilt, da er sich nicht weiter kennt bis an die Mauer, die er gebaut hat.

Von den Folgen bleibt niemand verschont, ob arm, ob reich, ob krank oder gesund, ob erfolgreich oder von Niederlagen verfolgt. Jeder Moment kann Fascetten hervorbringen, von denen er nicht ahnte, dass sie in ihm sind, weil er nichts über sich weiß, außer das, was ihm von außen über sich einverleibt wurde mitsamt seinen Erfahrungen, Glaubenssätzen und Selbstsuggestionen. Nicht umsonst gibt es Mörder, Kriegsverbrecher, Vergewaltiger usw. die nicht geahnt haben , dass sie Grausamkeiten vollbringen würden und könnten, da sie zuvor als liebvolle Ehemänner, Familienväter und Kollegen doch in Zufriedenheit und Hilfsbereitschaft gelebt haben, bis sich äußere Umstände änderten, ihre Welt sich veränderte, sie ihre Welt angegriffen fühlten.

Genauso gibt es Menschen, die in Momenten über sich hinausgewachsen sind und Edles vollbracht haben, dadurch, dass sie in einem jeweiligen Augenblick jeglicher Todes- und Verlustangst entronnen waren.

Die Welt, in die wir hineingeboren werden mitsamt ihren Glaubens- und Denksystemen, ihren Prägungen und Einflüssen machen den Menschen, der uns aus dem Spiegel entgegenschaut. Wir sind gemacht.

Es ist das Leben des denkenden unerwachten Menschen. Es ist das Leben, das wir während des Evolutionsprozesses alle mehr oder weniger durchlaufen. Jede Seele will diese Erfahrungen machen und keine Höhe kann hoch genug sein, die sie zu erklimmen trachtet und keine Tiefe tief genug, in die sie fallen möchte, um alles zu spüren. Das Leben in allen Fascetten will sie erfahren, um aus diesen Erfahrungen heraus zu erkennen, dass nirgendwo bleibende Befriedigung und Erfüllung zu erfahren ist, außer an dem Ort, dem sie entsprungen ist, der Quelle allen Seins. Dieser Ort ist an jedem Ort der Welt zu finden, wo man sich selbst befindet, in sich selbst. Alles Erleben erwächst aus uns wie ein Traum, der kommt und geht. Es ist ein Erleben der Vielschichtigkeit ein und desselben Traumes.

Die Art wach zu leben, bedeutet Freiheit, einzige, die es gibt. Es bedeutet, selbst zu fließen und sich in diesem Strom zu erleben als etwas Grenzenloses und Formloses. Wir sind die Quelle, dem alles entspringt und das Meer in dem sich alles ergießt. 

Hingabe an die schaffende und formende Kraft, sich mit dieser verbunden fühlen, ist das einzige, was Segen bringt.

Kein Ich, das sich getrennt vom Ganzen fühlt und danach strebt, dem Ganzen anzugehören bzw. eine bestimmte und möglichst besondere Rolle im Ganzen einzunehmen existiert mehr. 

Zweifelsfrei sein, liebe Marie, ist nur möglich, wenn das Ganze als Einheit durch einen wirkt und als solches wahrgenommen wird und das Gefühl von Trennung aufgehoben ist.

Herzlichst

Malina



 

 

 

„Aber die Arbeit muß in großer Einsamkeit getan werden. Weitgehend ohne Belohnung, ohne Billigung und Zustimmung, vielleicht sogar, ohne überhaupt bemerkt zu werden.
Folglich hast du eine absolut berechtigte Frage gestellt. Warum weitermachen? Warum sich überhaupt auf einen solchen Weg begeben? Was kann bei einer solchen Reise herausspringen? Wo ist der Anreiz? Was ist der Grund?
Der Grund ist lächerlich einfach.
ES GIBT NICHS ANDERES ZU TUN.“ S.237

 

Neale Donald Walsch
„Gespräche mit Gott“
Band 1
Goldmann/arkana Verlag

 


Folgebrief an Marie: "Das auch noch" 

„Wenn du einen Grundgedanken verändern willst, mußt du handeln, bevor du denkst.“  S.253

Neale Donald Walsch
„Gespräche mit Gott“

 

„Du kannst das äußere Ereignis nicht ändern (denn das wurde kollektiv von euch erschaffen, und ihr seid in eurem Bewußtsein noch nicht weit genug entwickelt, um individuell das ändern zu können, was kollektiv erschaffen wurde), also mußt du die innere Erfahrung ändern. Das ist der Weg zu Meisterschaft des Lebens“ S.69

Neale Donald Walsch
„Gespräche mit Gott“
Band 1
Goldmann/arkana Verlag

„Wenn du nicht nach innen gehst, gehst du leer aus.“ S.78

Neale Donald Walsch
„Gespräche mit Gott“

„Christus kann als der archetypische Mensch verstanden werden, der sowohl den Schmerz als auch die Möglichkeit der Schmerzüberwindung verkörpert.“ S.167

Eckhart Tolle
„Eine neue Erde“
arkana Verlag

„Hektik, Stress und Sorge sind immer Zeichen dafür, daß du nicht im Einklang bist mit deinem Herzen: mit seinem Tempo, seinen Wünschen, seiner Sehnsucht, seinen Zielen.“ S.113

Safi Nidiaye
„Die Stimme des Herzens“
Bastei Lübbe Verlag

„Ihre Sicherheit ist weder Ihr Beruf, noch Ihr Bankkonto, noch Ihre Geldanlagen, noch Ihr Ehepartner oder Ihre Eltern. Ihre Sicherheit ist Ihre Fähigkeit, sich mit der Kosmischen Macht zusammenzutun, die alles erschafft.“ S.159

Louise L. Hay

„Gesundheit für Körper und Seele“
Ullstein Verlag

 „Deine Visionen werden klarer, wenn du in dein eigenes Herz hinein siehst. Wer nach außen sieht, träumt. Wer nach innen schaut,erwacht."

 

Carl Gustav Jung

„Eine Geburt ist wie ein Tod, aber es lohnt sich, dafür zu leiden. Aus der Finsternis des Leidens dämmert ein neuer Morgen, und eine neue Sonne geht auf. Die Morgendämmerung ist nah, wenn die Nacht am schwärzesten ist. Wenn das Leiden unerträglich wird, ist die Seligkeit nah.“ S.13

Osho
aus
„Der Vogel im Wind“